meine Geschichte

Im Alter von 13 Jahren entschloss ich mich, in das Hochalpine Institut in Ftan zu gehen um dort die Matura zu machen und optimale Voraussetzungen für meine Sportlichen Ziele zu haben. Mit dem Beitritt ins HIF steigerten sich meine Leistungen und ich war regelmässig auf dem Podest zu sehen.

Saison 06/07

Alles lief nach Plan bis ich während dem Sommertraining im Jahr 2006 bemerkte, dass ich trotz regelmässigem Training nicht fitter wurde sondern eher mehr Mühe hatte das Tempo der anderen zu folgen. Als es gegen Herbst ging konsultierte ich zum ersten Mal den Hausarzt und liess eine Blutkontrolle durchführen, diese ergab, dass ich einen niedrigen Hämoglobin Wert hatte. Der Hausarzt verschrieb mir Eisentabletten. Als es nicht besser sondern immer schlimmer wurde und ich fast keine Luft mehr während dem Sport bekam, machte ich einen Asthmatest. Die Ursache schien gefunden, Asthma. Ich fing an mit einem Atmungsgerät zu trainieren um die Lunge zu stärken. Alles nützte nichts, es wurde immer schlimmer. Nach weiteren Konsultationen des Hausarztes die keine neuen Ergebnisse lieferten, war ich und mein Umfeld ziemlich ratlos. Die Saison verlief für mich miserabel. Nachdem ich im Jahr zuvor gut mit den anderen mitlaufen konnte, lief ich in dieser Saison nur hinterher. Im März entschied ich mich die Saison abzubrechen, eine Pause würde vielleicht gut tun. Im Mai ging ich in die Türkei in die Ferien und wurde dort krank. Nachdem ich zurückgekehrt war entschloss ich mich ins Spital nach Scuol zu gehen und dort eine genauere Untersuchung durchführen zu lassen. Innerhalb von 2-3 Stunden lag die Diagnose auf dem Tisch. Akute Lymphatische Leukämie (Blutkrebs). Es traf mich wie ein Schlag mitten ins Gesicht. Obwohl ich mit etwas eher schlimmem gerechnet hatte, wäre mir Krebs sicher nicht in den Sinn gekommen.

Chemotherapie 07/08/09

Die Therapiephase erstreckte sich auf 2 Jahre. Am nächsten Tag wurde ich ins Kinderspital in Zürich eingeliefert. Die Intensive Chemotherapie, die lange 7 Monate andauerte, begann schon am nächsten Tag. Für einen Monat sah ich nur Medikamente, Infusionsbeutel mit einem Schlauch das in den Katether führte, welches mir oberhalb des Herzens eingepflanzt wurde, das Bett und ab und zu einmal die Toilette und die Dusche. Die erste Phase der Chemotherapie war sehr intensiv und aggressiv, in wenigen Tagen waren die Bestandteile meines Blutes zum sehr grossen Teil abgetötet und ich war deswegen sehr müde und kraftlos. Als ich nach einem Monat zum ersten Mal nach Hause durfte, war das für mich wie eine kleine Erlösung, endlich nicht mehr im Krankenhaus und dauernd ein Arzt der die Türe meines Zimmers einrannte. Jedoch konnte ich nicht für lange zu Hause bleiben, denn die Chemotherapie musste ja fortgeführt werden. Es folgten noch 6 weitere Monate mit aggressivsten Medikamenten, was man mir auch ansah. Die Muskeln waren komplett weg, Treppen laufen wurde zur Quälerei und sogar das einsteigen in den Teambus unserer Trainingsgruppe war ohne Hilfe fast nicht möglich. Es konnte allerdings kommen was wollte, mit meinem an die Verhältnisse angepasstem Training hörte ich auf keinem Fall auf! Nach den 7 Monaten intensiver Chemotherapie, folgten noch 1.5 Jahre mit einer sogenannten Erhaltungstherapie, in welcher ich weiterhin 2 verschiedene Chemotabletten und ein Antibiotikum einnehmen musste. Während dieser Zeit begann ich meinen Körper wieder mehr und mehr zu belasten. Mein Ziel war es, so schnell wie möglich wieder Rennen zu laufen. Dies gelang mir dann auch wirklich innert kürzester Zeit, nur 4 Monate nach meiner letzten Chemoinfusion nahm ich bereits am Davoser Seelauf teil. Ich verfehlte meine Bestzeit um 6 Minuten und sah damit, dass noch sehr viel Arbeit nötig war um wieder meine alte Leistungsfähigkeit zu erreichen, jedoch erachtete nicht nur ich es schon als kleines Wunder so schnell wieder an einem Rennen teilgenommen zu haben. An diesem Zeitpunkt war es Frühling.

Saison 08/09

Während dem Sommer fing ich wieder mit regelmässigem Training an, allerdings wurde ich immer wieder von Krankheiten heimgesucht, weil mein Immunsystem noch sehr stark beeinträchtigt war. So konnte ich die Saison nicht gut vorbereiten. In dieser Saison, die erste nach dem Krebs, war die Devise sowieso, einfach einmal mitlaufen und schauen wie es geht. Ich musste ja noch die ganze Saison durch die Erhaltungstherapie fortführen. Zur Überraschung aller ging es dann auch schon relativ gut. Ich wurde in 3 Schweizermeisterschafts Rennen 11. und damit viertbester meines Jahrgangs. Dies war mehr als alle erhofft hatten. Als die Saison zu Ende war musste ich noch bis im Mai die Erhaltungstherapie fortführen und konnte somit ab Juni vollkommen ohne Medikamente leben. Ich merkte eine deutliche Leistungssteigerung als ich die Medikamente absetzen konnte.

Saison 09/10

Das Sommertraining verlief dann auch viel besser als im Jahr zuvor. Jedoch wurde ich immer noch sehr oft von Krankheiten gestoppt, weil mein Immunsystem geschwächt war. Trotzdem konnte ich viel mehr Trainingsstunden absolvieren als im Jahr zuvor. In den Trainings spürte ich, dass ich nicht mehr weit von den anderen Athleten entfernt war und teilweise konnte ich sie auch schon wieder schlagen. Dies war für mich eine klare Bestätigung meines Ziels, wieder zu den besten Athleten der Schweiz zu gehören. Als die Saison begann fühlte ich mich ziemlich gut und die Bestätigung folgte sogleich. Ich konnte mich in der Kategorie U18 prompt ganz vorne etablieren und lief auf den 3. Rang, und das erfreuliche war, dass alle Schweizer am Start waren, ich hatte also eine sehr gute Standortbestimmung. Die Saison verlief für mich sehr gut ich konnte immer wieder mein Talent unter Beweis stellen und aufs Podest laufen, so auch an den Schweizermeisterschaften, wo ich den 2. Rang im 10km Klassisch Rennen und den 3. Rang in der Doppelverfolgung belegte. Ich lief also nur ein halbes Jahr nach Beendigung meiner Therapie und mit einer eingeschränkten Saisonvorbereitung, bereits wieder ganz vorne mit. Nach der Saison, die mich sehr zufriedenstellte, merkte ich, dass auch andere auf mich aufmerksam geworden waren und meine Leistung zu würdigen schienen. Ich bekam ein Aufgebot für das C-Kader von Swiss-ski. Dieses Aufgebot schlug ich nach Rücksprache mit meinen Trainern am Hochalpinen Institut und des RPN’s (Regiun Parc Naziunal) allerdings aus, weil wir alle der Meinung waren, dass dies noch ein wenig zu früh kommen würde. Ich wollte mich noch einmal ganz in Ruhe und ohne Druck auf die kommende Saison vorbereiten und ging den Weg mit dem BSV.

Saison 10/11

Denn auch die Trainingslager mit dem BSV wurden von meinen Trainern an der Schule geführt und mit Odd Kare Sivertsen und Adriano Iseppi standen mir damit Weltklasse Trainer zur Verfügung. So manches Nationalteam würde mit der Zunge schnalzen wenn sie diese beiden Trainer für sich beanspruchen könnten. Diese Entscheidung stellte sich als goldrichtig heraus, denn in diesem Winter konnte ich schon viele Erfolge feiern. Neben zahlreichen Podestplätzen an FIS Rennen konnte ich mich für die Junioren Weltmeisterschaften qualifizieren und die Goldmedaille bei der Schweizermeisterschaft in der Doppelverfolgung holen. Die Saison ist allerdings noch nicht zu Ende und ich habe auch noch einige Ziele in dieser Saison die ich gerne erreichen will. Dafür werde ich mein Möglichstes tun und viel und effektiv trainieren.

Sehen sie dazu den Bericht von mir in der SF Sportlounge hier »